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Abolition Now !
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Stimmen
___________________________________________________________________________ Deutschland 2002:
Die bekannte Popsängerin Brtitney Spears in einem Interview.
___________________________________________________________________________ Texas 2001:
Der ehemalige Direktor des Gefängnisses " the Walls" erzählt:
Ich verrichtete diese Arbeit mit Würde. Ich habe noch immer Fragen.
Drei Jahre lang führte ich die Anstalt, in der beinahe alle texanischen Gefangenen ihre letzten Tage hinter Gittern verbringen. Die meisten werden in ein Leben draußen entlassen, aber viele andere kommen hierher, um zu sterben. Für einige ist sogar das eine Befreiung.
Als Oberster Direktor in „the Walls", (bekannt als Huntsville Unit des Texas Department of Criminal Justice ), hatte ich die Aufsicht bei 89 Hinrichtungen von Gefangenen des geschäftigsten „Todeshauses" („Todestraktes"; Anm. d Übersetzerin) der Nation. Ich bin in diesem Jahr in Rente gegangen, was mir Zeit gegeben hat über einige der Gefangenen, die unter meiner Aufsicht starben, nachzudenken. Todestraktinsassen wurden am frühen Nachmittag ihres Hinrichtungstages in nach „the Walls" in den Todestrakt überstellt. In den meisten Fällen verliefen ihre verbleibenden Stunden genau nach Plan . Aber es gab Fälle in denen die Verurteilten zum Sterben vorbereitet werden sollten, und dann den Todestrakt lebend verließen. Der Grund dafür ist, dass mehr als die Hälfte von ihnen mit einem schwebenden Appell vor den Gerichten am Tag ihrer Hinrichtung zu uns kamen. Hinrichtungsaufschübe in letzter Minute wie der 30 Tage-Aufschub, der Timothy McVeigh am Freitag (11. Mai 2001, Anm. d. Übersetzerin) gewährt wurde, waren ein weitaus gewöhnlicherer Teil des Geschehens, als die meisten Leute zu vermuten scheinen. Aber ich greife mir selbst vor... Mein erstes Treffen mit dem Gefangenen fand normalerweise gegen 1:30 statt, kurz nachdem er in seine Zelle gebracht worden war. Ich stellte mich dann vor, beantwortete Fragen und versuchte, einen Eindruck von seiner Gemütsverfassung zu bekommen. Ich wusste nie, was mich erwartete. Die meisten von ihnen waren gesprächsbereit. Einige Unterhaltungen waren überraschend humorvoll, andere waren hart. Fast immer besprachen wir die Letzte Mahlzeit, die letzten Telefonanrufe die er machen wollte und die letzten Besuche von Anwälten und Priestern* (*„spiritual advisors", üblicherweise Priester unterschiedlicher Konfessionen auch (Gefängnis-) Seelsorger; Anm. d. Übersetzerin ). Wir redeten darüber, was einige Stunden später am unten in der Halle (am Ort der Hinrichtung; Anm. d. Übersetzerin) passieren würde, über seine letzten Worte und darüber, was mit seinen sterblichen Überresten geschehen sollte. Wenn ich irgendwelche Zweifel an der Fähigkeit des Gefangenen hatte, seine Zelle zu diesem späteren Zeitpunkt zu verlassen, sagte ich ihm, dass ich um 6 Uhr zu ihm zurück kehren würde. Ich erklärte ihm, dass die Wachen ihm helfen könnten aus der Zelle zu kommen, wenn es nötig wäre. Fast alle sagten, sie würden fähig sein, selbst hinaus zu gehen. Es gab Fälle, wo wir sogar nach 6:00 Uhr noch auf auf eine gerichtliche Entscheidung zur Aufschiebung der Hinrichtung warteten. Aufschiebungen haben mich nie geärgert. Wenn wir die Anweisung hatten, war es nur eine Selbstverständlichkeit, der Belegschaft mitzuteilen, dass sie nach Hause gehen könnten und ihnen für ihr Kommen zu danken. Aber ich konnte beobachten, dass das Warten nervenzermürbend für die Gefangnen war, besonders für jene, die darauf gerechnet hatten. Wenn sie dann keinen Aufschub bekamen, hatten sie nur noch eine oder zwei Stunden, sich zum Sterben bereit zu machen. Wenn ich in den roten Backsteingebäuden von „The Walls" herumgelaufen bin, habe ich oft einen Blick auf die riesige Uhr geworfen, die den Erholungsbereich für mehr als ein Jahrhundert beherrscht hatte. Für mich hatte diese Uhr die Minuten gezählt, bis ich nach Hause gehen konnte, aber ich weiß sehr gut, dass die Gefangenen etwas anders sahen: Eine ständige Erinnerung an die Zeit, die sie nicht mehr hatten. Im Jahre 1924 begann Texas, verurteilte Gefangene in „the Walls" zu exekutieren. Der Todestrakt war damals schon eine alte Einrichtung, errichtet während des Bürgerkrieges. Der jetzige Todestrakt enthält einen Block von 8 Zellen, die Hinrichtungskammer, die an den „Injektionsraum" angrenzt, und zwei Galerien von denen jeweils eine für die Zeugen des Opfers und die andere für die Augenzeugen des Verurteilten vorgesehen sind. Niemand lebt heute mehr im 'Todeshaus'.
Die Verurteilten leben jetzt in einem Hochsicherheitsgefängnis, das ca.
45 Meilen entfernt in Livingston liegt, In den meisten Fällen glaube ich nicht, dass die Gefangenen, mit denen ich gesprochen habe, noch dieselben Menschen waren wie zum Zeitpunkt des Verbrechens. Als ich sie traf, hatten sie sich an ein anderes Leben gewöhnt, als sie es aus ihrer Zeit außerhalb des Gefängnisses kannten. Sie waren älter geworden, und das nicht nur an Jahren. Mit den meisten von ihnen konnte man durchaus intelligente Gespräche führen, sie waren einsichtig, sogar witzig, und viele von ihnen waren darauf vorbereitet, zu sterben. Zwei Dinge haben mich dabei am meisten überrascht: Wie viel sie, einige Stunden vor ihrer Hinrichtung essen konnten, und wie gelassen manche von ihnen waren. Einer von ihnen, Ecxell White, hatte 24 ½ Jahre im Todestrakt gesessen. Er hatte seinen Frieden mit der Welt gemacht und war bereit, zu gehen. Ein Anderer, Richard Foster, an den ich mich gut erinnere weil er so lebendig (lebensbejahend; Anm. d. Übersetzerin) war. Er war der typische „Freiwillige", das heißt, er lehnte seine weiteren Berufungswege ab, genauso wie McVeigh es getan hatte. Soweit meine Position es mir gestattete, genoss ich die Gespräche mit Foster. Es gab einen Moment, in dem er Verantwortung für das ihm zur Last gelegte Verbrechen übernahm und sagte, dass er Zeit gehabt hätte mit Gott in’s Reine zu kommen. Falls Sie sich das vorstellen können: Er war vergnügt, als er auf die Liege geschnallt wurde. Die Wachhabenden sagten, dass er den ganzen Tag über zum Scherzen aufgelegt gewesen wäre. Der Schlimmste für mich war Gary Graham. Es gab einen Riesenprotest draußen, es war ein Tag voll großer Anspannung für mich. Graham war extrem wütend. Er kämpfte mit aller Gewalt dagegen an, seine Zelle zu verlassen und kämpfte solange weiter, bis er vollständig auf der Liege festgeschnallt worden war. Er sagte fast nichts. Wenn ich ihm eine Frage stellte, starrte er nur vor sich hin. Ein Anderer (Fall) war besonders schwierig: Letztes Jahr im Mai hatte ich die Aufsicht über die Hinrichtung eines Mannes, der in einem anderen Gefängnis für mich gearbeitet hatte. Er war ein Beamter dort, ein ruhiger Mann, der jeden Tag zur Arbeit kam und seinen Job machte. Er wurde des Mordes an einer 6-köpfigen Familie für schuldig befunden. Ich fragte ihn, ob er sich an mich erinnere und er bejahte. Er war nicht sehr gesprächig, was die Sache leichter machte. Wir redeten nicht über alte Zeiten. Ich bin kein Experte in Sachen Todesstrafe. Ich habe Erfahrung in einem Teilbereich des Themas: zu gewährleisten, dass die Verurteilten im Einklang mit den Gesetzen von Texas hingerichtet werden. Hinrichtungen durchzuführen war eine der Aufgaben, für die ich verantwortlich war. 1.700 Gefangene saßen in „The Walls" ein. Dazu kamen 12.000 Gefangene, die jeden Monat kamen und gingen, meistens während der Überstellung von einem Gefängnisgebäude in ein anderes. Jeder der 150.000 männlichen Gefangenen, die in über 100 Einrichtungen, welche über den ganzen Staat verteilt sind, werden durch „the Walls" geschleust. Wenn sie im Gefängnis sterben und niemand Anspruch auf ihre Leiche erhebt, werden sie von einer Abteilung von „ the Walls " bestattet. 107 Gefangene wurden im letzten Jahr vom Staat beerdigt. Ich nahm an den meisten ihrer Beerdigungen teil. Der Oberste Gefängnisdirektor zu sein, ist ein umfangreicher Job. Aber der Aspekt, der die größte Aufmerksamkeit erfordert, ist die Arbeit im Todestrakt (death house). Mein erster Job war am 22. April 1998. Um kurz nach 18:00 Uhr ging ich zu der Zelle, in der Joseph Cannon wartete und sagte ihm, dass es Zeit sei. Ich war noch nicht der Direktor in „the Walls", aber der damalige Direktor lag im Krankenhaus, und so bekam ich den "Anruf ". Ich hatte noch nie einer Hinrichtung beigewohnt und nun sollte ich eine überwachen. Mein Chef hatte mir erklärt was zu tun war, wann, und wo ich stehen sollte. Später musste ich mich dazu zwingen, die Beförderung nach " the Walls" anzunehmen, denn ich war bestürzt, dies tun zu müssen. Ich beobachtete, wie das Fesselungskommando Cannon in den Gurten der Liege sicherte, wie der intravenöse Zugang gelegt wurde, nachdem es Schwierigkeiten gegeben hatte, eine geeignete Vene zu finden, ich hörte zu wie er seine letzten Worte sprach. Dann fiel die Tötungsmaschine aus. Der Kaplan und ich schlossen den Vorhang (zur Zeugengalerie; Anm. d. Übersetzerin). Die Zeugen wurden hinausgeführt. Dann wurde ein neuer Zugang gelegt und wir fingen von Neuem an. Ich nahm meine Brille ab. Das war das Signal an den Henker, das Einleiten der 3 Flüssigkeiten zu beginnen, die erste um ihn zu betäuben, die zweite um das Versagen seiner Lungen und Herzscheidewände herbei zu führen, die Dritte um seinen Herzschlag auszusetzen. I wartete dort 3 Minuten, bevor ich den Arzt bat, seine Diagnose zu stellen. Dann ging ich nach Hause zu meiner Familie. Vom menschlichen Standpunkt aus war das
die emotional belastendste Erfahrung, die ich je gemacht habe. Mit
wachsender Routine wurde es leichter. Ich stellte bald fest, dass ich meine Arbeit effektiv verrichten konnte, wenn ich die Akten der Gefangenen las, bevor ich sie zum ersten Mal sah. Es war praktisch unmöglich, meinen Job im Griff zu haben, wenn ich die Person auf der Liege mit dem brutalen, grausamen Verbrechen für das sie verurteilt worden waren in Verbindung brachte. Und so überzeugte ich mich selbst, dass mein Job einfach der war, zuzusehen dass das Prozedere glatt und professionell und mit soviel Würde wie möglich ablief. Ich bezweifle, dass ich mehr als ein- oder zwei Hinrichtungen hätte überwachen können, hätte ich entschieden ohne Vergebung, rachsüchtig oder fanatisch zu sein, während ich jemanden sterben sah. Weil ich derjenige war, der dieses düstere Geschäft des Staates öfter als irgend jemand sonst zu verrichten hatte, stellen mir die Leute viele Fragen. Sie wollen wissen, wie ich das tun konnte. Ich erinnere sie daran, dass ich die Letzte Instanz in einer langen Kette eines komplexen Prozesses war. Jedes Jurymitglied, zusammen mit den Anwälten, Zeugen und Richtern, hatte seinen Anteil daran. Ich habe nie einen geliebten Menschen durch einen brutalen Mord verloren, ich habe nie Monate oder Jahre damit verbracht, einen solchen Fall zu untersuchen. Ich habe nie in einer Jury gesessen oder darüber entscheiden müssen, ob ein Mensch zum Tode verurteilt wird. Ich habe nie einer Verurteilung beigewohnt. Das muss eine enorme Belastung sein. Ist jemals ein Unschuldiger hingerichtet worden? Vielleicht. Das Rechtssystem ist dazu verpflichtet, Fairness walten zu lassen, aber jeder, der Perfektion erwartet, verlangt das Unmögliche. Jedes „Aufpolieren" verbessert das System, aber da die menschliche Natur dabei eine Rolle spielt, wird auch das es nie perfekt machen. Bietet das Verfahren der Familie des Opfers den so oft erwähnten Abschluss? Ich vermag das nicht zu wissen. Aber eines weiß ich: Wer immer an einer gesetzlichen Hinrichtung teilgenommen oder sie mit angesehen hat, wird mit einem Verständnis für die Zerbrechlichkeit des Lebens hinaus gehen. Es scheint mir, dass eine neue Reihe von Opfern innerhalb der Angehörigen des verurteilten geschaffen wird, die das mit ansehen. Am allermeisten denke ich über die Mütter nach, die ihre Söhne haben sterben sehen. Manche von ihnen wimmern nur leise weinend vor sich hin. Es ist ein Geräusch, dass man an keinem anderen Ort jemals hören wird; ein furchtbares Geräusch, das einen verfolgt. Es gab Zeiten, da war ich dessen überdrüssig. Als unser Dackel von einem größeren Hund gebissen wurde und eingeschläfert werden musste, empfahl mir der Tierarzt, den Raum zu verlassen. Ich erzählte ihm was ich in „The Walls" machte und er sagte: „ Nun, dann können Sie bleiben, wenn sie möchten." Als ich nach Hause kam, merkte meine Frau an, wie erschöpft ich aussah und ich antwortete ihr: „Ich bin es müde, Dinge sterben zu sehen." Ich will das Leben eines Tieres nicht mit dem eines Menschen vergleichen, aber in dieser Zeit hatten wir mehrere Hinrichtungen innerhalb weniger Tage gehabt, und manchmal wurde die Last wirklich groß. Natürlich fragten mich die Leute meistens, wie ich zur Todesstrafe stehe. Dazu kann ich nur Folgendes sagen: allem Anschein nach glaubt unsere Gesellschaft, dass manche Leute komplett und für immer ausgelöscht werden müssen. Als Gefängnisdirektor und als Diener der Steuerzahler habe ich versucht, meine Arbeit so gut zu machen, wie ich konnte. Als ein menschliches Wesen ist das eine traurige Angelegenheit. Aber als Christ habe ich damit am meisten zu kämpfen: Jesus brachte uns bei, wie wir mit einander umgehen sollten, aber ein teil von mir hat absolut kein Mitleid mit für jemanden, der dafür verurteilt wurde, ein Kind umgebracht zu haben. Ich habe Männer für abscheuliche Verbrechen sterben sehen und mich in diesem Moment gefragt, ob wir das Richtige tun. Ich habe diesen Job beendet, wie ich ihn angefangen habe: voller Fragen. Und mit einem Nagen in meinen Eingeweiden, das mich nie verlassen hat – und mich sobald auch nicht verlassen wird". (Quelle: Jim Willet, der 30 Jahre für das texanische Gefängnissystem gearbeitet hat, und an einem Buch „ A Warden’s journey " schreibt, das auf Aufzeichnungen während seiner Jahre als Oberster Gefängnisdirektor in „The Walls" basiert; mit freundlicher Genehmigung Washington Post; Mai 2001) __________________________________________________________________________ Chile 1996: Staatspräsident Eduardo Frei wandelte ein Todesurteil um. Folgende Worte sprach er zur Begründung seiner Entscheidung: "Ich kann nicht glauben, dass der Staat töten muss, um Leben zu verteidigen und Mörder zu bestrafen. Die Todesstrafe ist ebenso unmenschlich, wie das ihr zugrunde liegende Verbrechen. __________________________________________________________________________ Virginia : "Unschuldsbeweise sind irrelevant."
Mary Sue Terry, Generalstaatsanwältin von Virginia, 1986 - ' 94 (als Antwort auf eine Eingabe, neue Beweise im Fall eines zum Tode Verurteilten zuzulassen)
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